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Ideenbörse: Aus Themen wurden konkrete Arbeitsgruppen

Am Montag, 22. Juni, fand im Erhard-Schnepf-Haus die Ideenbörse im Projekt „Weinsberg vernetzt“ statt. Bei hochsommerlicher Hitze – auch am Abend lagen die Temperaturen noch bei etwa 30 Grad – war der Besuch sehr gut: Mehr als 30 Teilnehmende kamen zusammen, um die Ergebnisse der Auftaktveranstaltung weiterzubearbeiten und aus ersten Ideen konkrete Arbeitsgruppen zu entwickeln.

Die Ideenbörse war bewusst nicht als reine Informationsveranstaltung angelegt. Sie sollte ein Arbeitsformat sein. Nach Begrüßung, Rückblick auf die Auftaktveranstaltung und Einführung in den Ablauf ging es vor allem darum, die vielen gesammelten Vorschläge so weiter zu konkretisieren, dass daraus selbstständig arbeitende Projektgruppen entstehen können.

Im Mittelpunkt standen drei Schritte: zunächst die Ideen im Überblick ansehen und priorisieren, dann einzelne Ideen ausarbeiten und schließlich überlegen, wie konkrete Umsetzungsschritte aussehen könnten. Damit wurde aus der breiten Sammlung der Auftaktveranstaltung ein Arbeitsprozess: Welche Themen sind besonders wichtig? Wo gibt es bereits gute Ansätze? Wer möchte weiter daran mitarbeiten? Und was kann realistisch als nächster Schritt angegangen werden?

Acht vorbereitete Themenfelder

Für die Ideenbörse wurden aus der Auswertung der Auftaktveranstaltung acht größere Themenfelder gebildet. Für jedes dieser Themenfelder wurde ein Thementisch angeboten. Dort konnten die Teilnehmenden entweder das gesamte Thema in den Blick nehmen oder sich bewusst einen konkreten Teilbereich herausgreifen.

Die vorbereiteten Themenfelder waren:

1. Informations-, Kommunikations- und Vernetzungsstruktur
Dazu gehörten unter anderem ein gemeinsamer digitaler Veranstaltungskalender, eine zentrale Übersicht über Vereine, Gruppen, Einrichtungen und Angebote, einheitliche Kommunikationswege für Weinsberg, eine mögliche Weinsberg-App oder Webseite als Vernetzungsknoten sowie analoge und digitale Informationswege über Stadtblatt, Plakate, Infoboards, Newsletter, WhatsApp oder Instagram.

2. Veranstaltungsplanung, Absprachen und Ressourcen
Hier ging es um regelmäßige Abstimmungstreffen von Vereinen, Einrichtungen und Stadt, frühzeitige Terminabsprachen zwischen Kernstadt und Teilorten, die gemeinsame Nutzung von Räumen, Material, Technik und Ausstattung sowie um gegenseitige Unterstützung bei Veranstaltungen.

3. Räume, Treffpunkte und Begegnungsorte
Dieses Themenfeld umfasste Raumlisten mit Zugang, Kapazität, Belegung, Kosten und Ansprechpersonen, Treffpunkte im Freien wie Sommerzone, Freibad, Markt oder Stadtsee/Park, niedrigschwellige Formate wie Schwätzbänkle, Begegnungstisch oder Bewegungsrunde sowie die Nutzung vorhandener Räume wie Backhaus, Hildthalle, Baukelter, Gemeindehaus, Jugendhaus und Vereinsräume.

4. Vereine, Ehrenamt und Mitmachmöglichkeiten
Im Mittelpunkt standen Sichtbarkeit der Vereine, eine Übersicht über mögliche Ehrenämter und Aufgaben, Ansprechpartnerlisten, eine Helferbörse für kurzfristige Unterstützung sowie die Frage, wie neue Engagierte gewonnen werden können, ohne immer dieselben Aktiven zu belasten.

5. Junge Menschen, Familien und generationsübergreifende Angebote
Hier wurden Musik-, Kultur-, Sport- und Freizeitangebote für junge Menschen, Familien und verschiedene Generationen betrachtet. Genannt wurden unter anderem Treffpunkte für Jugendliche und junge Erwachsene, Vereinsangebote, Ferienprogramm, Skaterpark, Pumptrack, Inliner- oder Rollschuhtreffen und Modellflug.

6. Integration, Neubürger, Alltagshilfen und Nachbarschaftshilfe
Dieses Themenfeld nahm Begegnungscafés, Sprachkontakte, gemeinsames Kochen, kulturellen Austausch, Alltagshilfen, Hilfevermittlung und Angebote für Neubürgerinnen und Neubürger sowie Menschen mit Migrationshintergrund in den Blick.

7. Umwelt, Naturschutz und Sauberkeit
Dazu gehörten Stadtputzete, regelmäßige Müllsammelaktionen, Blühflächen, Wildbienenstandorte, Schulgarten, Umweltbildung, Streuobstpflege, ein Mähplan nach Naturschutzgesichtspunkten und Patenschaften für Flächen, Beete oder Wege.

8. Tourismus, Stadtbild und Außenwirkung
Hier ging es um die Sichtbarkeit von Burg, Kultur, Stadtführungen, Gastronomie, Gewerbe und Veranstaltungen sowie um die Frage, wie Weinsberg nach innen und außen stärker wahrgenommen werden kann.

Wichtig war außerdem: Die vorbereiteten acht Themenfelder waren kein starres Raster. Wer ein anderes, bislang nicht genanntes Thema einbringen wollte, konnte dafür einen neuen Thementisch bilden, wenn sich genügend Mitwirkende fanden.

Welche Themen konkret bearbeitet wurden

Im Verlauf des Abends entstanden mehrere Arbeitsgruppen. Einige Gruppen griffen Themen aus den vorbereiteten Thementischen auf, andere konzentrierten sich bewusst auf einen bestimmten Ausschnitt. Ein zusätzlicher Thementisch entstand spontan zum Kinderferienprogramm.

Digitaler Veranstaltungskalender

Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Frage, wie Veranstaltungen in Weinsberg besser sichtbar und besser koordiniert werden können. Ausgangspunkt war der bestehende Veranstaltungskalender im Internet. Diskutiert wurde, wie möglichst alle Angebote gebündelt werden können und wer künftig Veranstaltungen eintragen darf – etwa Stadt, Vereine oder weitere Einrichtungen.

Wichtig war der Gruppe auch, dass der Kalender stärker bekannt gemacht wird. Vereine und Gruppen sollen ermutigt werden, ihre Veranstaltungen tatsächlich einzutragen. Zugleich wurde festgehalten, dass Barrierefreiheit mitbedacht werden muss. Auch gedruckte Auszüge oder andere analoge Informationswege sollen nicht vergessen werden, damit ältere Menschen und Personen ohne digitale Routinen ebenfalls erreicht werden.

Als mögliche Weiterentwicklung wurde eine digitale Lösung mit Filterfunktionen und Push-Benachrichtigungen genannt. Außerdem soll geprüft werden, welche Lösungen andere Städte nutzen, welche Kosten entstehen und ob Fördermittel beantragt werden können. Ziel ist eine zeitgemäße digitale Lösung, möglicherweise über eine App oder eine verbesserte Webplattform.

Helferbörse und Sichtbarkeit der Vereine

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Vereine und Initiativen in Weinsberg sichtbarer werden und sich gegenseitig besser unterstützen können. Unter dem Stichwort „Helferbörse“ ging es darum, konkrete Bedarfe öffentlich zu machen: Wo werden helfende Hände gebraucht? Welche Vereine suchen Unterstützung? Welche Aufgaben eignen sich auch für Menschen, die nicht dauerhaft in einen Verein eintreten möchten?

Die Gruppe hielt außerdem fest, dass das gegenseitige Kennenlernen der Vereine wichtig ist. Viele Angebote existieren bereits, sind aber nicht allen bekannt. Ein Austausch über einen runden Tisch oder ein ähnliches Format könnte helfen, Ideen, Bedarfe und Möglichkeiten regelmäßig zusammenzubringen. Angedacht wurde auch, Räume, aktuelle Informationen und konkrete Mitmachmöglichkeiten der Vereine besser öffentlich darzustellen.

Digitale Kulturplattform für Jung und Alt

Eine weitere Gruppe entwickelte die Idee einer digitalen Kulturplattform für Weinsberg. Sie soll Kulturangebote für unterschiedliche Zielgruppen sichtbarer machen – von Musik, Theater und Film über Literatur, Tanz und Kunst bis hin zu einzelnen Terminen und Veranstaltungsformaten.

Dabei ging es nicht nur um eine Terminübersicht. Mitgedacht wurden auch Ressourcen: Welche Menschen, Materialien, finanziellen Mittel und Orte braucht es, um Kulturangebote besser zu ermöglichen? Wer organisiert etwas? Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden? Und wie können Angebote für Jung und Alt gemeinsam gedacht werden?

Die Kulturplattform könnte damit ein Baustein werden, um Kulturschaffende, Vereine, Einrichtungen und interessierte Bürgerinnen und Bürger besser miteinander zu verbinden.

Raumerhebung für Weinsberg und die Teilorte

Ein sehr praktisches Thema war die Raumerhebung für Weinsberg und die Teilorte. Die Idee: Es soll eine Übersicht aller buchbaren Räumlichkeiten entstehen – städtisch, kirchlich und bei Vereinen.

Erfasst werden sollten dabei nicht nur Namen und Adressen, sondern auch Ausstattung, Größe, Konditionen, mögliche Kosten, Versicherungsfragen und Nutzungsverträge. Eine solche Übersicht könnte vielen Gruppen helfen, schneller geeignete Räume zu finden und Veranstaltungen besser zu planen. Gerade für kleinere Initiativen, neue Gruppen oder offene Begegnungsformate ist eine solche Übersicht eine wichtige Grundlage.

Ergänzung des Musikangebots bei Veranstaltungen

Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Frage, wie junge Menschen stärker angesprochen werden können. Vorgeschlagen wurde eine Ergänzung des Musikangebotes bei städtisch organisierten Veranstaltungen mit einem besonderen Fokus auf junge Menschen.

Als Zielgruppe wurden junge Menschen etwa zwischen 16 und 36 Jahren benannt, die Freude an elektronischer Musik, Rap oder DJ-Formaten haben. Die Gruppe sah hier eine Lücke: Junge Menschen sollen stärker Wertschätzung erfahren und als wichtiger Teil der Stadtgesellschaft sichtbar werden.

Als Arbeitstitel wurde „Rave auf der Burg“ festgehalten. Nächste Schritte wären Gespräche mit Rathaus, Jugendhaus und weiteren Verantwortlichen. Benötigt werden Offenheit, Bereitschaft zur Zusammenarbeit, Mut für neue Wege und eine Klärung der organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen.

Integration durch gemeinsames Tun

Sehr konkret wurde die Gruppe zum Thema Begegnungsorte und Integration. Im Mittelpunkt stand nicht ein abstraktes Konzept, sondern gemeinsames praktisches Tun.

Genannt wurden öffentliche Hochbeete in der Sommerzone – im Sinne von Urban Gardening oder Gemeinschaftsgarten. Auch eine Bewirtung in der Sommerzone durch Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund wurde vorgeschlagen. Hier könnte gegebenenfalls Kontakt zu bestehenden Gruppen oder Initiativen aufgenommen werden.

Weitere Ideen waren ein interkulturelles Musikformat sowie ein Sprachtreff oder Tandemformat. Für diese Vorschläge müssen noch Raum, Rahmen und Trägerschaft geklärt werden. Gerade darin liegt aber ein wichtiger nächster Schritt: Begegnung soll nicht nur geplant, sondern durch konkrete gemeinsame Aktivitäten ermöglicht werden.

Stadtputzete, Umweltbildung und Sauberkeit

Auch Umwelt, Naturschutz und Sauberkeit wurden konkret bearbeitet. Unter dem Stichwort „Stadtputzete“ wurde überlegt, wie eine möglichst breite Beteiligung erreicht werden kann – nicht nur durch einzelne Engagierte, sondern durch die gesamte Bürgerschaft und besonders auch durch Schülerinnen und Schüler.

Wichtig war der Gruppe, dass es nicht nur um einmaliges Müllsammeln geht. Ziel soll auch Bewusstseinsbildung sein: Wer selbst mit anpackt, nimmt den öffentlichen Raum anders wahr. Umweltbildung, Naturschutz und Sauberkeit gehören hier zusammen. Eine große Beteiligung kann außerdem dazu beitragen, dass Orte dauerhaft sauberer bleiben.

Spontaner Thementisch: Modellflug im Kinderferienprogramm

Neben den vorbereiteten Themen entstand auch spontan ein neuer Thementisch zum Kinderferienprogramm. Dort wurde ein konkreter Programmpunkt zum Thema Modellflug entwickelt und vorgestellt.

Angedacht ist ein dreiteiliger Ablauf: zunächst eine Demonstration, dann das Basteln eines Wurfgleiters und anschließend – je nach Rahmen und Betreuung – eigenes Fliegen mit Lehrer-Schüler-Begleitung.

Als mögliche Orte wurden der Flugplatz Lehrensteinsfeld/Willsbach oder der Fußballplatz Weinsberg genannt. Gedacht ist das Angebot für Kinder ab acht Jahren, mit einer begrenzten Gruppengröße von maximal sechs Kindern. Vorgesehen wäre eine Dauer von etwa zwei Stunden; bei schlechtem Wetter müsste ein Ersatztermin möglich sein.

Diese Idee zeigt exemplarisch, wie aus einem allgemeinen Themenfeld wie „junge Menschen, Familien und generationsübergreifende Angebote“ sehr schnell ein konkretes, umsetzbares Angebot entstehen kann.

Von der Sammlung zur Zusammenarbeit

Die Ideenbörse zeigte: Aus allgemeinen Themen können konkrete Arbeitsansätze werden, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen und Verantwortung übernehmen. Einige Gruppen haben bereits klare Vorstellungen entwickelt. Andere werden ihre Ideen in den kommenden Wochen weiter ausarbeiten.

Wichtig ist nun, dass die Arbeitsgruppen nicht nebeneinanderher arbeiten. Deshalb findet am Montag, 20. Juli, um 19 Uhr ein erstes Austauschtreffen der Arbeitsgruppen statt. Treffpunkt ist der Helfenstein-Keller der Baukelter in Weinsberg.

Bei diesem Treffen sollen die Gruppen berichten, was sich seit der Ideenbörse entwickelt hat, wo Unterstützung gebraucht wird und welche Überschneidungen es mit anderen Gruppen gibt. So können sich die Arbeitsgruppen gegenseitig Impulse geben und ihre nächsten Schritte besser abstimmen.

Ein weiteres Austauschtreffen folgt nach den Sommerferien am 24. September. Voraussichtlich am 9. Oktober ist ein abschließendes internes Treffen geplant. Dabei soll vorbereitet werden, wie sich die Arbeitsgruppen bei der öffentlichen Veranstaltung am 23. Oktober präsentieren.

Dort sollen erste Ergebnisse, Ziele und nächste Schritte vorgestellt werden. Die Ideenbörse war damit kein Abschluss, sondern der Übergang von der Sammlung zur konkreten Zusammenarbeit.